2 Sept 2025 • 6 Min. Lesezeit
Mehr Daten Bedeuten Nicht Automatisch Bessere Ergebnisse.

...entscheidend ist vielmehr die Handlungsfähigkeit auf Basis dieser Daten.
Wir befinden uns in einer Ära, in der jeder Schritt innerhalb der Customer Journey Daten generiert: Aufrufe des Saalplans, Reservierungen und Freigaben im Warenkorb, die Auswahl von Preiskategorien, Scans am Einlass, Upgrades, Rückerstattungen und vieles mehr. Theoretisch sollte dies eine enorme Stärke sein, doch für viele Veranstalter stellt es in der Praxis eine Belastung dar.
Unabhängig vom digitalen Reifegrad der Organisation begegnen uns immer wieder dieselben drei Hindernisse:
- Die Datenerhebung wird dadurch eingeschränkt, was initial überhaupt erfasst wird.
- Die Datenverknüpfung scheitert oft an fehlenden Schnittstellen (APIs).
- Die Datennutzung wird durch manuelle Zwischenschritte ausgebremst, die schnelles Handeln verhindern.
In der vergangenen Woche habe ich mich mit unserem CTO, Jens Teichert, ausgetauscht. Sein Standpunkt ist eindeutig: Der entscheidende Wettbewerbsvorteil entsteht nicht durch das Sammeln von noch mehr Informationen, sondern daraus, bestehende Daten bei Bedarf unmittelbar operativ nutzbar zu machen.
Die Relevanz dieses Themas ist belegt: Laut Forresters globaler „Data Culture & Literacy Survey“ (2023) schätzt mehr als ein Viertel der Experten für Daten und Analytik in mittleren bis großen Unternehmen, dass ihre Organisationen jährlich über 5 Millionen US-Dollar aufgrund mangelnder Datenqualität und Usability verlieren. Bei 7 % der Befragten liegt dieser Verlust sogar bei über 25 Millionen US-Dollar. Der Grund hierfür ist nicht das Fehlen von Daten, sondern die Tatsache, dass sie im entscheidenden Moment nicht einsatzbereit sind.
Das Ziel ist klar definiert:
Weniger Zeitaufwand für die Informationsbeschaffung → mehr Zeit für deren Anwendung
Weniger Aufwand beim Abgleich verschiedener Tools → mehr Fokus auf die Wertschöpfung für das Publikum
Denken Sie in drei Schritten.
(Wobei erst das Zusammenspiel aller drei Komponenten die nötige Wettbewerbsfähigkeit sichert.)
1. Erfassen: Erfassen Sie die Grundlagen bei jedem Schritt präzise und strukturiert: Signale, Bestellungen, Scans, Umtauschvorgänge, Erstattungen, Sitzplätze und Kategorien, Preiskategorien, Zahlungen sowie das Engagement in der Kommunikation. Eine lückenlose Datenerhebung minimiert spätere Blindspots in der Analyse.
2. Verknüpfen: Sorgen Sie für konsistente Datensätze, indem beispielsweise Käufer-IDs über Ticketing, CRM, E-Mail-Marketing, Payment und Einlasskontrolle hinweg einheitlich geführt werden. Durch das Schließen dieser Lücken wird sichergestellt, dass dieselbe Person systemübergreifend identifizierbar bleibt. Wenn Systeme nicht miteinander kommunizieren können, leidet die operative Geschwindigkeit.
3. Aktivieren: Nutzen Sie die Käuferperspektive innerhalb von Minuten statt Wochen. Transformieren Sie Rohdaten in Erkenntnisse über Käufergewohnheiten und überführen Sie diese in dynamische Zielgruppen, die sich auf Basis von Bestellungen und Scans automatisiert aktualisieren. So lassen sich Maßnahmen unmittelbar und ohne langwierige Projektplanung umsetzen.
Ein praxisnaher Ansatz, um dieses Modell operativ zu etablieren, ist die Zielgruppensegmentierung als fester Bestandteil der täglichen Prozesse.
Dabei werden Segmente nicht als statische Listen definiert, sondern als dynamische Käufergruppen, die durch vordefinierte Workflows kontinuierlich aktualisiert werden. Beispiele für potenzielle Segmente im Ticketing sind:
- Abonnenten mit Verlängerungsoption
- Last-Minute-Käufer
- Superfans (Besuch von mindestens 50 % der Events)
- Kunden mit hoher Upgrade-Frequenz
- Interessenten ohne Kaufabschluss
- Inaktive Teilnehmer (letzter Besuch vor 12–24 Monaten)
Die Überführung dieser Verhaltensmuster in Live-Segmente und deren Echtzeit-Aktivierung ist der entscheidende Hebel für den Erfolg: Sie steigert die Abverkaufsquoten, fördert die Wiederkehrrate, generiert zusätzliche Umsätze durch Upgrades und erhöht nachhaltig den durchschnittlichen Warenkorbwert (AOV).

Wie sieht das in der Praxis aus? Es bedarf eines Systems, das Daten nicht nur erfasst, sondern über jeden Kontaktpunkt hinweg vernetzt und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzt. Hier einige Beispiele:
- Spätentschlossene → Erinnerungen 24–48 Stunden vor dem Event bei begrenztem Kontingent oder Preisgarantie
- Early-Bird-Stammgäste → Exklusiver Vorabzugriff inklusive Platzreservierung und Bundle-Angeboten
- Umsatzstarke Micro-VIPs → Gezielte Angebote für Hospitality, Parkplätze oder Upgrades direkt im Checkout-Prozess
- Inaktive Kunden (12–24 Monate) → Reaktivierungsangebote, die sich spezifisch auf die zuletzt besuchte Event-Kategorie beziehen
- Interessenten mit hoher Kaufabsicht → Remarketing, das exakt die Saalplanbereiche und Produkte widerspiegelt, die zuvor betrachtet wurden
Darin liegt der wahre Wert einer integrierten Segmentierungslösung. Sie transformiert Komplexität in Klarheit, verkürzt die Zeitspanne zwischen Signal und Reaktion und ermöglicht es Teams, ihren Fokus strategisch neu auszurichten.
Die Zukunft des Ticketings liegt nicht in der bloßen Menge der Daten. Es geht darum, schneller zu lernen, schneller zu handeln und Systeme zu schaffen, die beides ohne Reibungsverluste ermöglichen.
Falls Sie in Ihrer Organisation bereits mit diesen Ansätzen experimentieren, freue ich mich über einen Austausch. Die Strategien für modernes Ticketing entwickeln sich stetig weiter, wobei die wertvollsten Impulse oft direkt aus der operativen Praxis kommen.
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