7 Jan 2026 • 6 Min. Lesezeit
Warum hohe Fixkosten bei Events aus kleinen Umsatzsteigerungen große Margeneffekte machen

Live-Events werden oft vor allem als Kostenproblem betrachtet.
Künstlergagen steigen. Produktionen werden teurer. Personal wird schwerer zu finden. Venues, Logistik, Marketing. Alles fühlt sich schwerer an als noch vor ein paar Jahren.
Kein Wunder also, dass viele Gespräche immer mit der gleichen Frage beginnen:
Wo können wir kürzen?
Das Problem ist nur: Diese Frage kommt meist zu spät.
Bei Live-Events wird der Großteil der Kosten lange entschieden, bevor das erste Ticket verkauft ist. Sobald ein Event in den Verkauf geht, steht die wirtschaftliche Grundstruktur weitgehend fest. Künstlerverträge sind unterschrieben. Venues gebucht. Produktion geplant. Marketingbudgets gesetzt.
Ab diesem Punkt ist Kostenoptimierung zwar weiterhin wichtig, sie verändert das Ergebnis aber selten grundlegend.
Das eigentliche Hebelpotenzial liegt an einer anderen Stelle.
Bei den Umsatzentscheidungen.
Schon kleine Anpassungen können hier eine unverhältnismäßig große Wirkung entfalten.
Ein vertrautes Beispiel, nur außerhalb unserer Branche
Stell dir ein Flugzeug vor, das startbereit am Gate steht.
Der Treibstoff ist bezahlt. Die Crew eingeplant. Der Slot am Flughafen gesichert. Ob nun 120 oder 130 Passagiere an Bord sind, ändert an den Kosten dieses Flugs kaum etwas.
An der Profitabilität hingegen schon.
Die letzten Plätze zu einem leicht höheren, oder manchmal sogar niedrigeren, Preis zu verkaufen, bedeutet nicht einfach nur mehr Umsatz. Der Großteil davon landet direkt im Ergebnis.
Live-Events funktionieren nach einem sehr ähnlichen Prinzip.
Warum kleine Umsatzveränderungen so viel bewirken
Sobald die Fixkosten gedeckt sind, hat zusätzlicher Umsatz eine sehr hohe Deckungswirkung. Variable Kosten steigen zwar mit, aber meist nur in geringem Verhältnis zum zusätzlichen Erlös.
Genau deshalb können schon kleine Verbesserungen in der Umsatzstrategie die gesamte Wirtschaftlichkeit eines Events verändern.
Ein vereinfachtes, aber realistisches Beispiel:

Eine Umsatzsteigerung von 5 Prozent kann zu einem EBITDA-Anstieg von rund 80 Prozent führen.
Am Event selbst hat sich nichts geändert.
Keine Abstriche bei der Qualität.
Keine Kompromisse bei der Show.
Der Unterschied entsteht allein durch andere Umsatzentscheidungen.
Es geht nicht darum, Fans auszupressen
Umsatzstrategie wird oft missverstanden als schlichtes „teurer verkaufen“.
In Wirklichkeit geht es darum, klüger zu verkaufen.
Fluggesellschaften sind kein margenstarkes Geschäft. Im Gegenteil. Aber sie sind sehr gut darin geworden, Nachfrage über Timing, Zugänge, Preissysteme und begrenzte Upgrades zu steuern. Nicht, um Passagiere auszupressen, sondern um Preise an Zahlungsbereitschaften anzupassen.
Hotels machen es ähnlich. Freizeitparks ebenso. Streaming-Plattformen auch.
Live-Events sind hier keine Ausnahme.
Bessere Preislogiken. Sinnvolle Add-ons. Klare Wertstufen. Zeitpunkte, die zur Nachfrage passen. Sponsoring-Modelle, die zur Zielgruppe passen, statt sie zu unterbrechen.
Das sind keine aggressiven Maßnahmen.
Das sind durchdachte.
Warum Umsatz mehr Hebel schafft als Kostenkürzungen
Sobald ein Event live ist, entsteht das eigentliche Potenzial nicht mehr durch strengere Kostenkontrolle, sondern durch die Aktivierung von Nachfrage.
Umsatzwachstum muss dabei nicht über höhere Basispreise kommen. Häufig entsteht es, indem man die Fläche rund um das Ticket erweitert. Bundles aus Ticket und Merchandise oder Zusatzleistungen. Flexible Optionen, die Kaufhürden senken. Versicherungen und Weiterverkaufslösungen, die Käufer im eigenen Ökosystem halten. Upgrades, die nach dem Erstkauf Mehrwert schaffen. Retargeting von Fans, die bereits Interesse gezeigt haben, statt immer neue Zielgruppen zu jagen. Sekundärmarkt-Erlöse, die beim Veranstalter bleiben statt extern abgegeben zu werden.
Keine dieser Stellschrauben verändert die Show selbst.
Sie verändern, wie Wert rund um sie entsteht.
Genau deshalb entfaltet eine durchdachte Umsatzstrategie nach dem Verkaufsstart eine unverhältnismäßig große Wirkung. Sie verändert das Ergebnis eines Events. Kostenoptimierung schützt es meist nur.
Der Perspektivwechsel, der entscheidet, wie Events Geld verdienen
Ticketing ist der Moment, in dem abstrakte Nachfrage zu konkreten Entscheidungen wird. Wann jemand kauft. Was gekauft wird. Wie viel Zugang wert ist. Ob jemand upgradet, ergänzt oder sich zusätzlich entscheidet. Diese Entscheidungen passieren in Sekunden. Und sie passieren in der Regel nur einmal.
Wer Ticketing nur als nachgelagerten Prozess betrachtet, akzeptiert das Ergebnis dieser Momente einfach. Wer es als strategische Ebene versteht, gestaltet sie bewusst.
Genau darin liegt der Unterschied.
Nicht zwischen Umsatz und Kosten, sondern zwischen liegen gelassenem Potenzial und bewusst gestalteter Wertschöpfung.
Denn bei Live-Events entscheidet sich am Point of Sale oft leise, aber sehr deutlich, ob ein Event gerade so die Kosten deckt oder wirtschaftlich wirklich performt.
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